Vortrag von Heiko v. Swieykowski zum Thema Wald für den 1. Berliner Drechslerstammtisch. Es gilt das gesprochene Wort.

Deutschland ist zu 32 % bewaldet, das sind rund 11,4 Millionen Hektar d.h. ca. 90 Milliarden Bäume.

Im Vergleich zu vielen anderen Europäischen Ländern ist das ein sehr hoher Prozentsatz an Waldflächen.

Schon 1713 wurde der Begriff der Nachhaltigkeit durch den Forstmann Carlo von Carlowitz geprägt.Nachhaltiges Wirtschaften war seit dieser Zeit ein Gebot für die deutsche Forstwirtschaft.

Ein Grossteil der 11,4 Millionen ha sind Wirtschaftswälder (Privatwald, Staatswald etc.) die nicht TROTZ sondern WEGEN ihrer Bewirtschaftung durch den Menschen über die letzten Jahrhunderte uns erhalten geblieben sind. Das wirtschaftliche Interesse hat den Wald vor der Abholzung und Umwandlung in Nutzflächen bewahrt!

Der Wald inDeutschland heute ist in Gefahr durch den Klimawandel. Durch den Trockenstress werden die Bäume geschädigt und das kann langfristig ihren Fortbestand gefährden.

Beispiel 20 Hektar absterbender Eichenwald im Tegeler Forst: Dort wurde im heißen Sommer der Grundwasserspiegel durch die Wasserwerke kurzfristig abgesenkt, weil neue Trinkwasser-Brunnen gebaut wurden. Die Eichen wurden gestresst und der parasitäre Zweipunkt-Eichenprachtkäfer ist über die geschwächten 100jährigen Eichen hergefallen, die jetzt alle (20ha) nach und nach absterben. Ein großer ökologischer Schaden und ein finanzieller Schaden in Millionen Höhe.

Naturschützer fordern die Wälder naturnaher zu gestalten. Naturbelassene Waldflächen betragen gerade mal 0,3 Prozent. Nabu etc. wollen speziell alte Buchenwälder bewahren. Gerade aber die Buchen sind gefährdet für Trockenstress und der ist bei der prognostizierten Erwärmung zu erwarten.

Kohlendioxidbilanz:

Der unbewirtschaftete Wald weist bestenfalls eine ausgeglichene Kohlendioxid-Bilanz auf.Bewirtschaftete Wälder haben da eine wesentlich bessere Bilanz, weil Hölzer langfristig genutzt werden.

Brandenburg (Waldforschung) hat für Deutschland und weite Teile Mitteleuropas eine Vorreiterrolle übernommen was die zu erwartende Trockenheit angeht weil in Brandenburg durch den Sandboden und wenig Regen eine extremere Klimasituation gegeben ist.

Dort gibt es für die Forschung bereits sogenannte twitternde Bäume Ein elektronischer Gürtel einzelner Bäume der Daten wie Wasserhaushalt, Zuwachs etc. sendet, die über einen Twitteraccount weltweit zur Verfügung stellen.

Ziel ist es herauszufinden, welche Bäume sind zukunftsweisend (wie z.B. spanische Buchen, Douglasien, Ahorn etc.)

Ziel ist es, in Deutschland eine große Vielfalt einheimischer neben den neuen Arten zu erhalten. Zur Eines der schönsten Bäume die Ulme ist schon als Fossil im Tertiär nachgewiesen. Vor 10 Mio. Jahren zeigt sich ihr vermehrtes Aufkommen. Heute stirbt die Bergulme und Feldulme aus . Der Ulmensplintkäfer überträgt eine aus Ostasien eingeschleppte Pilzerkrankung: die Pilze wuchern im Splintholz und verstopfen die Wasserleitbahnen im Frühholz. Dadurch wird der Wasserfluss unterbunden und der Baum stirbt ab. Im Flachland führt dies zu einem Totalausfall, oberhalb von 700 Metern nur phasenweise.

Die Esche mit ihrem sehr beliebten Holz scheint zur Zeit den selben Weg zu gehen.

Die Fichten sind heute nach wie vor wichtigster Nutzholzlieferant; Dächer z.B.

Holz ist nachwachsender Rohstoff. Zwischen 6-8 Kubikmeter Zuwachs hat eine ha Mischwald. Die Entnahme von zweidrittel davon nennt man nachhaltige Nutzung. Heute ist der Wald meist certifiziert, d.h. die Holz-Entnahme unterliegt strengen Regulierungen. Der Waldarbeiter wird heute größtenteils durch Harvester ersetzt. In schwierigen Regionen wie Alpen/Berge kommen auch noch Rückepferde zum Einsatz.

„Wald vor Wild“ ist ein Spruch den radikale Baumschützer immer wieder fordern, weil der Schaden durch das Wild (Verbiss durch Rehwild, Schälen durch Rotwild) immens sei.

Ich finde, das beides zur Natur dazu gehört. Am anspruchsvollen Jäger liegt es, dort die Natur im Einklang zu halten und Hege mit der Büchse zu betreiben. Zu hohe Wild-Bestände machen einen Mehr-Generationen-Wald kaputt. Nur wer mal vor Ort gesehen hat, wie stark der „Konzentratselektierer“, das Rehwild, alle jungen Baumtriebe abäst, weiß wovon ich spreche.

Naturverjüngung und junge Kulturpflanzen müssen deswegen eingegattert werden, weil der Verlust sonst zu hoch ist. Der Wildbestand in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Europäischen Ländern zu hoch. Der zu uns kommende Wolf (4kg Fleisch am Tag) wird es zu nutzen wissen.