Am 19. Februar hatten wir wieder unseren nächsten Drechsler Stammtisch. Dieses Mal Jörg Aigner uns alle zu sich nach Hause eingeladen. Neben der kleinen aber sehr feinen Werkstatt die wir besichtigen durften konnten wir uns auch mal ein Bild davon machen, wie Jörg sein Holz lagert und das Holz auf unterschiedliche Weisen geschnitten hat, um es zu lagern. Das Holz hat er in seiner gut gekühlten Garage als auch in einer Art Scheune hinter der Garage gelagert. Dort sind viele Kanteln, Bohlen, Rundlinge als auch Schalenrohlinge auf das säuberlichste und vor allem ordnungsgemäß in Regalen gestapelt. Im Sommer, so Jörg, würde er sogar mit einem Wasserschlauch die ganzen Hölzer besprenkeln, damit sie immer schön feucht bleiben und durch die Sommerhitze nicht zu schnell reissen. Und das ist bei dieser Sommerhitze auch dringend notwendig, selbst wenn das Holz schattig gelagert wird. Viele Fragen konnten schon bei der Ortsbesichtigung gestellt werde. Wie z.B.:

Was machst du mit den ganzen Holzabfallresten? (Das hat Jörg ganz intelligent gelöst mit einer kleinen Hütte voller Scheitel die er dann für seinen Kamin verwendet. First In, Last Out).

Wohin mit dem ganzen Sägemehl und den Spänen? ( Dafür hat er einen großen Sack der einmal monatlich vom BSR für kleines Geld abgeholt wird. Auch dazu hat er den Verwaltungsaufwand der dazu notwendig ist beschrieben).

Wie sicherst du die Stirnholzseite bei der Lagerung? Usw.

Nachdem wir die Werkstatt, die im Übrigen alles hat was das Drechsler Herz begehrt besichtigt hatten, begaben wir uns im Haus in den Wintergarten. Dort versorgte uns seine Frau Tina mit Getränken und kleinen Snacks. Einige brachten sogar hausgemachtes zum Naschen mit, so z.B. Sibel mit ihren fantastisch schmeckenden Börek. Das darfst du immer wieder tun, Sibel!

Bevor Jörg seinen Vortrag zum Thema gewonnen hatte präsentierte jeder sein Projekt was zum Stammtisch auferlegt wurde und zeigte es vor. Das Thema diesmal war Stein und Holz. Wir waren alle gespannt was sich zu diesem Thema jeder hat einfallen lassen. Dabei kamen so einige interessante und wirklich schöne Kunstwerke heraus. Toll zu sehen war wie jeder seinen künstlerischen Weg zu einem Thema findet. Von Stein Effekten in Holz bis hin zu einem Ei aus gedrechselten Speckstein. Es war vieles aus der Bandbreite zum Thema zu sehen. Wie immer brachte Olaf wieder jede Menge „WeißnichtHolz“ mit, also Holz dessen Art wir noch zu bestimmen versuchten, was uns auch größtenteils gelang. Immer wieder erstaunt ist man aber auch was man nicht weiß. Holz ist und bleibt ein Mysterium.

Der spannende Teil des Abends war dann Jörgs Vortrag zum Thema der Verwendung von Epoxy-, Acryl- und Polsterharzen. Ein spannendes Thema, weil wenn man sich die zeit dazu nimmt, unglaubliche Effekte erzielt, aber auch viel Erfahrung voraussetzt. Seit ich Jörg kenne beschäftigte er sich mit dem Thema und recherchierte und unternahm viele Versuche. Natürlich ist da immer noch die Frage, ob sich der ganze Aufwand lohnt? Aber schaut man sich die Ergebnisse an, dann muss man sagen, dass selbstgemachte Blanks oder Risse in Schalen durchaus seinen Reiz haben. Und eben mit diesen Harzen genial Effekte erzielt werden können. Ich denke, ein bisschen besessen muss  man wohl auch sein um diesen Aufwand zu betreiben, aber es lohnt sich eben.

Das erste Problem für Jörg war wohl das Beschaffen des Harzes. Einen Lieferanten zu finden der einem auch die Kniffe verrät scheint es wohl nicht zu geben, weswegen sich Jörg alles selbst erarbeiten musste, zu seinem Leidwesen. So stelle Jörg aufgrund von Erfahrung auch fest, dass  Harze altern und nach langer Benutzung durch Verunreinigungen ihre Wirkung verlieren (d.h. nicht mehr aushärten). Also gibt es zeithärtende und thermisch härtende Harze. Darauf muss man ja auch erstmal kommen. Während man thermisch härtende Harze mit Seifenwasser reinigen kann, werden bei zeithärtende Harze Lösungsmittel benötigt. Beide Harze haben eine Verfallszeit, die Preise sind jedoch vergleichbar. Ganz dringlichste ging Jörg auf den gesundheitlichen Aspekt ein, denn Harze und vor allem Härter sollten nicht eingeatmet werden, auch soll man Hautkontakt vermeiden und wissen, dass schwere Verätzungen der Haut und Augen möglich sind und allergische Hautreaktionen verursachen kann. Selbstredend war dann, dass es schädlich für Wasserorganismen ist.

Das einfärben von Pen Blanks fand ich selbst sehr spannend, da mir auch so nicht klar war, dass man anschließend die Blanks auch stabilisieren sollte. Der Vorgang des stabilisierens im Vakuum hat Jörg ausführlich erklärt und dazu Geräte vorgestellt. Wie man Pen Banks und Epoxy für Holzschmuckteile gießt hat Jörg Schritt für Schritt erklärt.

Harz mit passendem Härter versehen und extrem gut verrühren, sonst kann das Harz zum Schluß kleben. Zum Färben das verrührte Harz und kleinere Portionen aufteilen um verschiedene Farbharze herzustellen. Farbe auswählen, es gibt endlose Möglichkeiten – Vorsicht mit Färbemittel, die im Harz absinken können z. B. Titanweiss-Pulver am besten sind Pasten oder flüssige Färbemittel für Epoxy –  so Jörg.

Für den ein oder anderen waren die Ausführungen wie man Silikon- oder Kunststoffformen selber herstellen kann sehr interessant.

Den gesamten Vortrag mitsamt seinen Ausführungen hat Jörg in alter Manier fein säuberlichste in einem PDF Dokument in unserer Whattsapp Gruppe jedem zur Verfügung gestellt.

Auch wenn der Stammtisch dieses Mal im schönen Hermsdorf war, hat sich der Aufwand und der Ausflug für alle Teilnehmer sicherlich gelohnt. Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen mit stetig wachsender Teilnehmerzahl müssen wir bald einen größeren Raum buchen – wieder zu Kai-Ole – Olé!